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Dicke Luft ade

Tagespflegen in Neckarburken und Haßmersheim investieren in hochwertige Luftreiniger zur Reduzierung des Corona-Risikos


Ein weiterer Baustein im Corona-Hygienekonzept der Tagespflegen in Neckarburken und Haßmersheim: Pflegedienstleiterin Cornelia Schifferdecker freut sich über die neuen Luftreiniger, welche die Virenlast in der Raumluft verringern. Foto: Christina Bock

Neckar-Odenwald-Kreis. Da liegt was in der Luft – so könnte man den Hauptübertragungsweg des Coronavirus umschreiben. Eine Ansteckung mit SARS-CoV-2 erfolgt vornehmlich über Tröpfchen, die beim Atmen, Sprechen, Lachen, Singen, Husten oder Niesen freigesetzt werden. Diese Tröpfchen können über die Atemluft aufgenommen werden oder direkt an die Schleimhäute von Nase und Mund gelangen. Mittlerweile gibt es technische Möglichkeiten, welche die bekannten Verhaltensmaßnahmen zum Infektionsschutz sinnvoll ergänzen können. Spezielle Luftreiniger sollen hierbei für eine möglichst virenfreie Luft in Innenräumen sorgen.

Die Luftreiniger zielen darauf ab, den Aerosolanteil in der Raumluft zu verringern. Aerosole sind feinste Schwebstoffe, die beim Atmen und Sprechen, noch stärker beim Singen, freigesetzt werden und infektiöse Partikel enthalten können. Die winzigen Teilchen von weniger als 5 Mikrometer (also 5 tausendstel Millimeter) Durchmesser verteilen sich wie ein feiner Nebel unsichtbar in geschlossenen Räumen. Während größere Tröpfchen recht schnell zu Boden sinken, können Aerosole deutlich länger in der Luft schweben – je nach Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit über eine Dauer von Minuten bis Stunden.

Um Aerosole in der Raumluft zu verdünnen und damit das Risiko einer Corona-Infektion zu senken, ist eine regelmäßige und hohe Frischluftzufuhr in Innenräumen notwendig, wenn man nicht auf technische Hilfsmittel wie Luftreiniger zurückgreifen kann. Im September wurde die AHA-Formel (Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske tragen) daher um das „L“ für Lüften erweitert. Das Lüften spielt gerade jetzt, wo sich die Menschen vermehrt drinnen aufhalten, eine wichtige Rolle. Bei längerem Aufenthalt in kleinen, schlecht belüfteten Räumen steigt die Gefahr einer Virusübertragung auch über eine größere Distanz als den bekannten Mindestabstand von 1,5 Metern, da sich Aerosole im Raum anreichern und verteilen. Während eine gute Mund-Nasen-Bedeckung größere Tröpfchen aufhalten kann, können Aerosole an den Seiten aus- und eintreten, weil die Bedeckungen auch bei korrekter Tragweise nicht fest genug am Gesicht abschließen. Besonders deutlich wird dieses Problem bei der Verwendung von Gesichtsvisieren, die wirkungslos gegenüber Aerosolen sind und nicht als Ersatz für eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden dürfen.

Das Umweltbundesamt empfiehlt das Lüften über weit geöffnete, bestenfalls gegenüberliegende Fenster für mindestens 10 bis 15 Minuten. Hingegen führen (dauerhaft) gekippte Fenster kaum zu einem nennenswerten Luftaustausch. Sind viele Personen im Raum anwesend, sollte auch während des Treffens regelmäßig und gründlich gelüftet werden.

Das Lüften lässt sich in der Praxis jedoch nicht immer perfekt umsetzen. Wie gut der Luftaustausch funktioniert, hängt von vielen Faktoren ab wie der Anzahl, Größe und Position der Fenster, der Windstärke und -richtung vor den Fenstern, dem Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen und letztendlich auch von der eigenen Bereitschaft zu lüften. Eine Reduzierung der Virenlast in der Raumluft ist also nicht immer gewährleistet. Hinzu kommt, dass das Lüften in der kalten Jahreszeit ungemütlich sein kann. Bei geschwächten, älteren oder kranken Menschen kann dies nicht nur das Wohlbefinden beeinträchtigen, sondern auch die Gesundheit weiter gefährden.

Insbesondere in der Altenbetreuung und -pflege steht man daher vor einem „Lüftungsdilemma“. Wo ältere Menschen über längere Zeit in geschlossenen Räumen zusammenkommen, sind umfassende Maßnahmen zum Schutz dieser Hochrisikogruppe jedoch ausgesprochen wichtig. Hier können Luftreiniger mit speziellen HEPA-Filtern Abhilfe schaffen, wenn intensives Lüften nicht möglich ist. HEPA-Filter (HEPA = high-efficiency particulate air) sind Hochleistungspartikelfilter, die auch feinste Partikel aus der Raumluft entfernen. Die Luft kann so unter anderem von Viren befreit werden. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Luftreiniger mit diesen Filtern die Aerosolkonzentration in der Raumluft innerhalb kurzer Zeit auf ein geringes Maß reduzieren können, was wiederum das Risiko einer Corona-Infektion verringert.

Die Tagespflegen in Neckarburken und Haßmersheim haben vor Kurzem hochwertige Luftreiniger mit HEPA-Filtern angeschafft, die das bisherige Hygienekonzept ergänzen. Je vier mobile IQAir-Geräte sind nun an beiden Standorten vorhanden. Olga Arnold, Geschäftsführerin der Evangelischen Sozialstation Mosbach und verantwortlich für die beiden Tagespflegeeinrichtungen, ist erleichtert, dass die Mosbacher Firma KWM Weisshaar die Luftreiniger rechtzeitig zu Beginn der kalten Jahreszeit liefern konnte: „Nach den Lieferengpässen für Corona-Schutzausrüstung im Frühjahr hätten wir nicht damit gerechnet, dass die Geräte so schnell vor Ort sein werden.“

Die neuen Geräte können nicht nur die Viruslast in der Raumluft verringern, sondern auch Bakterien, Schimmelpilzsporen und Allergene herausfiltern. Ein eingebauter Aktivkohlefilter entfernt zudem unangenehme Gerüche. Ergänzt werden die Neuanschaffungen in Neckarburken und Haßmersheim durch separate Luftqualitätsmonitore, welche die CO2-Konzentration in der Raumluft anzeigen und damit ein Signal zum Lüften geben. Denn ohne Frischluftzufuhr ist auch die sauberste Luft irgendwann einmal verbraucht. „Wir sind froh, dass wir mit den neuen Geräten das Ansteckungsrisiko für unsere Gäste und Mitarbeitenden senken können“, sagt Cornelia Schifferdecker, Pflegedienstleiterin der Tagespflege Neckarburken. „Die Geräte sind leise, die Gäste fühlen sich sicherer und als positiver Nebeneffekt hat sich die Luftqualität spürbar verbessert.“

Auch außerhalb der Alten- und Krankenpflege bietet sich der Einsatz mobiler Luftreiniger mit HEPA-Filtern an. Darunter fallen beispielsweise Schulen, Büros, Geschäfte, Wartezimmer, Vereinsheime, Fitnessstudios und andere Bereiche, wo Menschen in Innenräumen zusammenkommen. Gerade hinsichtlich der schlechten Lüftungsmöglichkeiten im Winter ist zu wünschen, dass möglichst viele Einrichtungen die verfügbaren technischen Möglichkeiten während der Corona-Pandemie nutzen, um die Gefahr einer indirekten Infektion durch Aerosole zu verringern.

Info: Die Evangelische Sozialstation Mosbach bietet auch in der Corona-Zeit alle Leistungen in den Bereichen Tagespflege, ambulante Pflege, Krankenpflege, Betreuung und Hauswirtschaft an. Weitere Infos finden sich im Internet unter www.sozialstation-mosbach.de sowie telefonisch unter (0 62 61) 93 33 - 0.