Weil Menschen Menschen brauchen

Besucher auf vier Pfoten

Zwei Hunde öffnen die Herzen der Tagespflegegäste in Neckarburken


Besuchshunde Tagespflege Neckarburken

Eigentlich war es nur als Notlösung gedacht, als man Beate Holzner im Sommer 2019 anbot, ihre Hündin in die Tagespflege Neckarburken mitzubringen. Die Pflegefachkraft hatte während ihres Schichtdienstes vorrübergehend keine andere Möglichkeit, außer den Vierbeiner im Büro vor Ort unterzubringen. Inzwischen ist Jessie – so heißt die Cavalier-King-Charles-Spaniel-Hündin – aus der Pflegeeinrichtung nicht mehr wegzudenken. Und weil sie mit ihren zwölf Jahren bald „in Ruhestand“ gehen wird, gibt es mit dem Kleinpudel Nala schon eine Nachfolgerin, die zum Besuchshund ausgebildet werden soll.

„Keiner hätte damals damit gerechnet, dass sich Jessie so gut für die Arbeit mit älteren Menschen eignet“, blickt Holzner auf die Anfangszeit der „Hundetherapie“ in der Tagespflege zurück. Schnell hatte die Hündin verstanden, wie sie mit den Gästen im Stuhlkreis Kontakt aufnehmen kann oder dass sie während den Essenszeiten im Büro warten muss. Mittlerweile ist sie fest in das Beschäftigungsangebot der Tagespflege eingebunden.

Der Umgang mit Hunden habe zahlreiche positive Auswirkungen auf das körperliche und geistige Wohlbefinden älterer Menschen, erläutert Holzner. Die Hündin lenkt die Tagespflegegäste beim Streicheln und Spielen von Ängsten, Unruhe und körperlichen Einschränkungen ab und animiert sie zu mehr Aktivität. Dadurch werden die Gäste mobiler. Auch gemeinsame Hundespaziergänge sind möglich. Das Streicheln und Berühren des Hundes fördert das allgemeine Wohlbefinden. Langzeitgedächtnis und Erinnerung werden verbessert und selbst der Zugang zu schwer dementen Patienten ist durch einen Hund möglich.

Auch Pflegedienstleiterin Cornelia Schifferdecker weiß um die Besonderheit dieses tierischen Angebots, das von den Seniorinnen und Senioren begeistert angenommen wird: „Wir sind froh, dass wir einen Besuchshund in unserer Einrichtung haben. Und wenn der Hund einmal nicht da ist, wird er gleich vermisst. Jessie öffnet Herzen.“

Seit einigen Wochen lebt auch die vier Monate alte Nala bei den Holzners zu Hause und ist seit Kurzem regelmäßig in der Tagespflegeeinrichtung mit dabei. Das Pudelmädchen wird auf diese Weise behutsam an ihre neue Aufgabe herangeführt. Wie Jessie ist auch Nala voll geimpft und wird regelmäßig entwurmt. Bei Nala gibt es zudem Besonderheiten ihrer Rasse: Pudel sind allergikerfreundlich, verlieren kein Fell und sind sehr intelligent. Somit ist Nala bestens für die Seniorenarbeit geeignet. Sobald es die Corona-Situation zulässt, wird Holzner mit ihr eine spezielle Ausbildung als Besuchshund machen. Dabei wird die junge Hündin unter anderem lernen, in Stresssituationen ruhig zu bleiben und gelassen mit fremden Menschen umzugehen. Dann wird auch Nala den Menschen in der Tagespflege viel Freude bereiten und dafür sicher mit dem ein oder anderen Hundeleckerli belohnt werden, dass manche Gäste extra mitbringen.

Info: Die Evangelische Sozialstation Mosbach bietet auch in der Corona-Zeit alle Leistungen in den Bereichen Tagespflege, ambulante Pflege, Krankenpflege, Betreuung und Hauswirtschaft an.